Es ist vorbei. Ist es?

Nun gut, es ist vorbei. Zumindest die Besetzung an sich. Zeit für alle Besserwisser und Real-World-Pessimisten aus ihren Löchern zu kriechen und sich mit einem ohrenbetäubenden Geschrei auf die Brust zu trommeln und die frohe Botschaft in die Welt hinaus zu schreien:

Wir haben’s immer schon gewusst. Ihr könnt die Welt nicht ändern!

In diesem Zusammenhang will ich gar nicht von denen sprechen, die sich schon immer gegen die Besetzung gestemmt haben oder denen, die zwar voll dabei aber nie wirklich dort waren.

Vielleicht ein Sinnbild für die #unibrennt-Proteste

Vielleicht ein Sinnbild für die #unibrennt-Proteste

Nennt mich einen Optimisten, aber ich glaube daran: Auch wenn keine direkten Verbesserungen der studentischen Situation eintreten sollten: Die Audimaxisten haben unsere Welt ein Stück besser gemacht.
Viele haben sicherlich nicht gewusst was sie tun, ein guter Teil war dabei, weil „alle“ dabei waren und es gab sicherlich einige, die angetrieben vom Egoismus und dem Drang zur Zurschaustellung der eigenen Vorzüge, ihren Weg ins Audimax gefunden haben. Doch diese bunte Ansammlung an Menschen hat in Österreich (und Europa) eine Entwicklung angestoßen, die sonst noch einige Zeit gebraucht hätte.

Mit dem Augenblick der Besetzung wurde eine neue Generation geboren, für die es in Zukunft selbstverständlich sein wird, die eigene Meinung lautstark kund zu tun. Und nicht nur das, sie wird auch wissen wie das am besten zu bewerkstelligen ist und ihre #unibrennt-Erfahrungen mit anderen teilen.

Wundern wir uns also nicht wenn die Demokratie und die politische und gesellschaftliche Beteiligung in Österreich demnächst übermäßig steigt.

Was sie noch lernen müssen
Eine Kritik sei mir an dieser Stelle aber erlaubt: Wer die Welt verändern will, muss wissen wie sie funktioniert. Unsere Audimaxisten weigerten sich beständig nach den Regeln dieses großen Spiels mitzuspielen.

Als ich bei einer #unibrennt-Diskussion mit einem Beteiligten ins Reden kam, erklärte er mir, dass aus ihrem Selbstverständnis heraus das Eingehen auf die äußeren Umstände (im Sinne der Anpassung an existierende Regeln) so nicht vorgesehen ist. Da er aus der Überzeugung heraus handelt, dass die Bewegung recht hat, müssen sich die Gesellschaft und deren gewählte Vertreter eben an die Bewegung anpassen und nach deren Regeln mitspielen.
Vor diesem Hintergrund werde ich nicht das Gefühl los, dass die Audimaxisten sehenden Auges gegen die Wand gefahren sind. Das ist schade, denn es hätten handfeste Ergebnisse dabei herausschauen können.

Zum Anschluss und Abrundung meiner Sichtweise habe ich ein paar Stimmen der Anderen gesammelt…

Dem schließe ich mich zu 100%an.

Die Uni brennt, die Weltrevolution pennt

#unibrennt – Das Problem, nicht zu wissen, wann man sich bewegen sollte

#unibrennt: 21,5 Millionen Reichweite in 4 Wochen

#unibrennt auf Twitter, eine Analyse

#unibrennt = #uniignorant ?

Das #AudiMax und seine Feinde

Gewalt droht: Am Samstag muss das Audimax voll sein!

#unibrennt auf Twitter

50.000 Menschen demonstrieren in Wien gegen Bildungsabbau (Video)

Karte für Unsere Unis/Map of Our Universities/Mapa de Nuestras Universidades

Ideologie und Politik im Audimax

Should I stay or should I go?

Die #unibrennt immer noch, auch ohne Audimax

Akademisches Proletariat

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4 Kommentare

Eingeordnet unter #unsereuni, Bürgerbeteiligung, Politik2.0, Social Networks, Twitter, Zukunft

4 Antworten zu “Es ist vorbei. Ist es?

  1. rogeraaut

    sich sehenden auges gegen die wand zu bewegen ist sicher nicht angenehm, und ein fester charakter kann auch als sturheit diffamiert werden – mit einer abschliessenden beurteilung wuerde ich dennoch zuwarten.

    in dem umfang, wie sich die sachverhalte ueber lange zeit ergeben haben, sehe ich auch weder moeglichkeit noch notwendigkeit kurzfristig zu klaren loesungen zu kommen – das waere eher ueberraschend. im uebrigen gilt wohl der alte spruch: Eile mit Weile.

    einzig abschliessende sicherheit habe ich nur hinsichtlich eines anderen aspekts: um auf beiden augen blind zu tun oder zu sein bedarf es keines rueckgrats – ich gebe aber zu, dass ich nicht vollstaendig verstehe, was in einem betroffenen vorgeht.

    als positives teilergebnis wuerde ich jedenfalls ergaenzen, dass, wenn auch nicht direkt beabsichtigt, menschenleben gerettet wurden: wenn ich das mit meiner sturheit mitverursacht haben sollte, dann kann ich damit leben. auch eine kostendiskussion scheue ich nicht, auch wenn da vermutlich verbesserungspotential vorhanden ist. die schlichte einhaltung von gesetzen wie dem wiener grundversorgungsgesetz wuerde ich auch nicht auf dauer mit dem geleisteten aufwand samt nebenkosten als gerechtfertigt erachten.

    als weiteren erfolg bezeichne ich auch, dass eine sinnvolle aufarbeitung universitaerer missstaende nur im zusammenhang mit gesellschaftlichen verhaeltnissen erfolgen wird. das ist meines erachtens keine frage von freiwilligkeit, wer laenger wegsieht wird halt nicht klueger.

    lg
    roger

    • kinderkaffee

      Studenten-„Proteste“ – faulenzendes Rumgelungere im Zeichen der Weltrevolution

      http://freidemzen.wordpress.com/2010/01/07/studenten-%E2%80%9Eproteste%E2%80%9C-%E2%80%93-faulenzendes-rumgelungere-im-zeichen-der-weltrevolution/

      Stoppt die „Spaß-Protestler!“. Die Protestierenden fordern immerzu eine sinnvolle Verwendung ihrer Gebühren, nun werden sie benötigt um die „Sauerei“ zu bereinigen, welche der marodierende Haufen – in den Unis – hinterließ!

      Die „jungen Aktiven“ von heute sind „Protest-Nomaden“! Heute skandieren sie gegen „Umweltverbrechen“, morgen gegen die Globalisierung und übermorgen? – Da muss abgewartet werden welches „Problem“ auch immer Konjunktur haben wird.

      Es sind aber auch immer wieder die Gleichen! Die an allen Fronten kämpfen! Immer vorne mit dabei! „Spaß-Demonstrating“ im „multitasking“ Verfahren – just for fun! Denn Protest ist ihr Hobby! Und je mehr man macht, desto schöner ist’s auch! Und so tuns dann alle brav und schreien und demonstrieren fleißig, nur zum Nachdenken kommt leider keiner – viel zu beschäftigt mit dem Protestieren sind ja alle.

  2. Ad „Wer die Welt verändern will, muss wissen wie sie funktioniert.“

    Wenn das so wäre, würden wir alle in Agonie verharren. Es reicht oft auch zu erkennen, dass was falsch läuft, um es zu verändern, auch ohne zu wissen, was dabei herauskommt. Die Lösung findet man beim probieren.

    • Grundsätzlich hast du recht, probieren geht über studieren. (;-))
      Der Punkt ist, dass es primär darum ging, die aktuelle Ausbildungssituation zum Positiven zu verändern. Dafür wäre es uU notwendig gewesen, dort anzusetzen wo man etwas bewirken kann – mit funktionierenden Mitteln.
      Es ist aber so gelaufen, dass das bestehende System (überwiegend) nur irritiert wurde und nichts mit der Bewegung anzufangen gewußt hat. Dementsprechend konnten auch keine echten Veränderungen erzielt werden.

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