#unsereuni: Moderne Revolution verändert die Welt

Vorgestern Nachmittag bekam ich einen Anruf von einem Standard-Redakteur. Er wollte meine Meinung zu den aktuellen Geschehnissen auf den österreichischen Unis wissen. Vor allem interessierte ihn, warum die Mobilisierung so gut funktioniert und welche Auswirkungen das auf die politischen 2.0-Arbeit haben wird.

Eindeutige Botschaft: "Alles Klar Herr Kommissar?"

Eindeutige Botschaft: "Alles Klar Herr Kommissar?"

Die Besetzung der österreichischen Unis ist ein außerordentlich gutes Beispiel für gut funktionierende 2.0-Arbeit und beweist, dass auch in Österreich Mobilisierung à la Obama möglich ist. Ich bin mir sicher, dass diese Aktion – egal wie die Sache am Ende ausgeht – einen unglaublichen Schub in der Demokratisierung und Politisierung der österreichischen Bevölkerung mit sich bringen wird. Die Bedeutung für die Entwicklung im Web2.0-Bereich lässt sich dabei nur erahnen, denn im Moment werden Web-Profis und -Amateure (ursprünglicher Wortsinn!) gemacht, welche die zukünftigen Entwicklungen im Webbereich gestalten und mittragen werden.

2.0-Mobilisierung und die politischen Parteien
Die berechtigte Frage des Redakteurs war natürlich, warum die Web2.0-Entwicklung im politischen Bereich im Vergleich langsamer voranzugehen scheint. Ich bin gespannt, ob und was er aus meiner Antwort macht, aber im Grunde geht es um Folgendes: Wenn man vernachlässigt, dass politische Ereignisse von einem bestimmten Ausmaß immer stark mobilisieren und es sich hier im Besonderen um einen längerfristigen Konflikt handelt, der bereits in den Köpfen der Menschen bereits stark verankert ist und nun von neuem ausbricht, haben wir bei #unibrennt einen Spezialfall:

Es ist die richtige Zielgruppe!

Wir treffen hier auf den Sonderfall, dass eine sehr homogene große Gruppe angesprochen wird. Diese ist im Vergleich zur restlichen Bevölkerung durchwegs gut ausgebildet (oder dabei es zu werden), Web-affin und hat ein gemeinsames Problem bzw. Ziel. Zusätzlich wird sie von äußerst fähigen Leuten unterstützt, die im 2.0-Bereich tätig sind und die Möglichkeit nutzen eine neue Denkweise in der gesamten Kommunikation zu verankern. Da es im Vergleich zu großen Parteien keine entsprechende Vorgeschichte gibt, ist dies vergleichsweise leicht möglich.
Sosehr die materiellen Herausforderungen das Vorankommen dieser modernen Revolution bremsen mögen, sosehr regen sie deren Entwicklung an. Im Moment geht es darum etwas Neues zu schaffen, ohne dabei auf die politische (oder irgendeine andere) Ausrichtung zu achten – immer mit dem Ziel die aktuelle Lage zu verändern.

Dass die Bewegung immer weiter um sich greift hängt ebenfalls damit zusammen, dass die klassischen (breitenwirksamen) Medien auf den Zug aufspringen und die Diskussion weiter anstacheln. Allen voran hat der Standard Online die Bedeutung und die Möglichkeiten der Entwicklungen sehr früh erkannt und sich als Leitmedium positioniert.
Zusätzlich verstehen es die Organisatoren ihre Anliegen und Forderungen breitenwirksam zu platzieren. So zum Beispiel bei der Demo in Wien.

Uni-Demo: "Kein Hahn kräht nach Studiengebühren"

Der Noch-Minister hats nicht leicht: "Kein Hahn kräht nach Studiengebühren"

Dass die ÖVP und der dazugehörige Minister ungeschickt reagieren tut sein übriges dazu.

Folgen und Erfolge von #unsereuni
Irgendwann in absehbarer Zeit wird die #unsereuni-Bewegung, so wie sie derzeit ist, nicht mehr existieren. Daran kann nicht einmal die besondere Web2.0-Ausrichtung etwas ändern. Die Gründe dafür sind zu vielfältig und zu breit gefächert um sie hier im Detail zu erörtern. Persönlich finde ich das aber gar nicht so schlimm. Denn jede Bewegung braucht ihre Veränderung und Weiterentwicklung. Mit der Zeit passt sie sich den neuen Gegebenheiten an und verändert ihre Umwelt im eigenen Sinne. Damit bleibt sie ein wichtiger Garant für beständige gesellschaftliche, politische und technische Weiterentwicklung.

Die Uni-Streiks haben eine Generation Studierender nachhaltig politisiert. Egal, wie lange sie noch dauern werden, egal welche Forderungen wirklich erfüllt werden – hier haben Zehntausende bewiesen, dass es auch anders geht. Das ist ein Erfolg.

Die Web2.0-Arbeit im politischen Bereich wird von #unsereuni ebenfalls profitieren. Im mindesten Fall entstehen dabei demokratisch denkende Menschen, die das Medium Internet zu verstehen beginnen und zukünftige politische Prozesse dadurch in die richtige Richtung lenken werden.

Vielen Dank an Georgina El-Nagashi für die Bilder von der Demo.

Nachtrag:

Ö1 hat sich in seiner aktuellen Digital.leben-Sendung dem Thema #unsereuni gewidmet und politx zitiert.

Auch der SPÖ-Kommunikationsexperte kann den Uni-Protesten etwas Positives abgewinnen: “Ich bin mir sicher”, schreibt Zlousic auf seinem Blog”, dass diese Aktion einen unglaublichen Schub in der Demokratisierung und Politisierung der österreichischen Bevölkerung mit sich bringen wird.”

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6 Kommentare

Eingeordnet unter #unsereuni, ÖVP, Bürgerbeteiligung, Politik2.0, Social Networks, Twitter, Zukunft

6 Antworten zu “#unsereuni: Moderne Revolution verändert die Welt

  1. Pingback: Es ist vorbei. Ist es? « polit.x

  2. Pingback: „Ein Zurück zu vor der Besetzung wird es nicht geben.“* « Digital Government 2.0

  3. ich hoffe wie du, dass die politik endlich begreift, dass das web nicht eine art verlängerte presseaussendung ist. habe dazu einiges nach 11jähriger praktisch täglicher erfahrung als webjournalistin einbringen wollen, bin aber in der löwelstr. leider abgewimmelt worden. kann auch sein, dass sich die haltung einfach zu sehr ändern muss, denn im web geht hierarchische kommunikation nicht. klarerweise kann man nicht fürs web sozusagen den sonderfall kreieren, hier anders als sonst zu kommunizieren, aber darüber hinaus bleibt alles beim alten. kommunikation im web verändert auch die partei/die parteien, und das sieht bislang niemand als chance.

  4. Der Beitrag über die Uni-Proteste im Standard ist mittlerweile erschienen. Siehe:
    http://derstandard.at/fs/1256743667434/Netzwerk-Protest-macht-Politiker-ratlos

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