Virales Marketing – Wie lange noch?

Menschen anlocken und Inhalte transportieren (bzw. verkaufen) ist das übergeordnete Ziel der Mehrheit aller im Netz professionell tätigen Unternehmen und Organisationen. Das Um und Auf sind User, Freunde, Follower und sonstige nur irgendwie interessierte Konsumenten, welche die dargebotenen Inhalte konsumieren sollen um danach eine Folgehandlung (im Sinne des Absenders) daraus abzuleiten.

Doch mittlerweile reicht es schon lange nicht mehr aus, einfach nur eine gut gemachte Seite ins Netz zu stellen und darauf zu hoffen, dass die Konsumenten den neuen Online-Auftritt stürmen. Nein, heute muss es schon etwas mehr sein. Virales Marketing muss man machen. Nicht mehr Werbefachleute schalten Anzeigen und buchen TV-Minuten und verbreiten somit „die Message“, sondern ganz „normale“ Menschen. Mundpropaganda ersetzt die lineare Kommunikation von gestern und wird zum neuen Gott der Online-Vermarktung. Auf youtube werden Videos verbreitet die weltweit zum Teil von mehreren Millionen Menschen gesehen werden.

Videos für die Welt
Ohne Videos kommt keine virale Online-Kampagne mehr aus. Gut gemachte Beispiele gibt es viele. Zu den bekanntesten zählen sicherlich „dove evolution“ und “Never Hide” von Rayban.  In Windeseile verbreiten sich auch die Video mit dem klingenden Namen „Guy Catches Laptop With His Butt“ und „MEGAWOOSH Bruno Kammerl jumps“. Zu meinen Lieblingen gehört auch die Werbung für das neue Buch von Kathrin Passig und Sascha Lobo – „Dinge geregelt kriegen“.
Dass hinter all diesen gut gemachten Videos oft große Unternehmen und ausgefeilte Verbreitungskonzepte stecken scheint noch niemanden wirklich zu stören. Zu gerne schaut man sich die kleinen Filmchen an und macht bei deren Verbreitung mit. Noch scheint es egal zu sein, dass die Sachen die man so schnell mit einem „Schau mal was ich da lustiges gefunden hab!“ weiterleitet eigentlich Teil einer großen Strategie sind und man selbst nur ein kleines Rädchen im Vermarktungsgetriebe.

Virale Politik
Auch vor dem politischen Bereich hat diese Entwicklung nicht halt gemacht. Obama Girl half sicherlich dabei den jetzigen Präsidenten der USA zu glorifizieren. Die “Don’t vote” und “Vote” Spots sollten die Menschen zu den Wahlurnen bringen. Ob dies ihren deutschen Pendants gelingen wird bleibt abzuwarten.

Fest steht, dass sich Videos immer stärker als Informationsträger etablieren und die österreichischen Parteien auf den Youtube-Zug schon längst aufgesprungen sind.
Hier ist ein nettes Beispiel der SPÖ Vorarlberg aus dem aktuellen Landtagswahlkampf:

Immer öfter wird in professionell gemachte Videos und deren Verbreitung investiert, in der Hoffnung so die potentielle Wählerschaft zu erreichen. In Österreich stehen wir erst am Anfang dieser Entwicklung. Es wird noch einige Zeit dauern bis die Professionalisierung einen entsprechend hohen Grad erreicht hat und die Parteien den optimalen Umgang mit dem Medium gefunden haben.
Bis dahin werden vor allem Zufallstreffer und junge kreative Köpfe die Hit-Listen der beliebtesten Videos anführen.

Private machen Video-Politik
Mittlerweile berühmt ist das folgende Amateurvideo vom Landeshauptmann Erwin Pröll in dem er öffentlich einem Priester die Leviten ließt.

Nicht minder bekannt ist auch der Mitschnitt aus einem Interview zwischen Armin Wolf und HC Strache.

Nun, man könnte sagen, dass es der Zufall war, der uns das Pröll Video beschert hat. Es gibt aber viele andere Beispiele die beweisen, dass immer mehr „normale“ Menschen virales Marketing als Möglichkeit für sich entdeckt haben und versuchen die politische Meinung in der Online-Welt mit selbst gebastelten (kritischen) Videos zu beeinflussen. Hier das Beispiel „Strache gegen Strache“.

Das schöne ist, dass durch die zunehmend bessere Ausbildung der breiten Masse und die erleichterte Möglichkeit die eigenen Ideen technisch umzusetzen auch die Möglichkeit steigt wichtige politische Fragen aufzuwerfen und die durch Medien etwas verklärte Sicht auf die politischen Geschehnisse wieder zurecht zu rücken.

Die Frage die sowohl Kommunikationsexperten als auch private Initiativen beschäftigt lautet: Wie hebe ich mich ab von der Masse? Wie mache ich aus meinem Video einen Selbstläufer? Wie bringe ich die Zuseher dazu mein Anliegen zu unterstützen?
Indem man ein paar witzige Videos ins Netz stellt gewinnt man keine Wahlen. Die endlose Verbreitung ebendieser führt ebenfalls nur bedingt zum Erfolg. Wir müssen uns viel eher fragen, was wollen die Leute von uns? Wollen sie nur unterhalten werden oder auch wirklich etwas bewegen?

Ich mag diese witzigen Filmchen bei denen sich jemand im Hintergrund etwas überlegt und diese Gedanken kreativ in einem Video umsetzt. Gleichzeitig bin ich aber davon überzeugt, dass trotzdem mehr dazu gehört. Es muss eine Message geben die es wert ist unterstützt zu werden. Bei der viralen Verbreitung von Informationen gehört mehr dazu als sich nur kreativ mit einer Thematik auseinander zu setzen. Wenn den Menschen kein Benefit und keine Möglichkeit geboten wird etwas zu bewegen verkommt auch die beste virale Kampagne zu einer austauschbaren Hülse.

Der Originalbeitrag erschien am 17.August auf politx.twoday.net.

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